Arbeiten aus fünf Jahrzehnten - Die Duftigkeit eines Aquarells habe ihn schon immer fasziniert, sagt Adolf Böhlich. Einige seiner Blätter datieren aus der Studienzeit. Böhlichs Aquarell-Skizzenblöcke sind wie Tagebücher zu lesen...

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Das Schauverlaufen der Farben.

Laudatio von Frank Richter bei der Ausstellungseröffnung Zittau am 23.7.2016 

 

Ab heute und in den nächsten Monaten, findet hier das „Schauverlaufen der
Farben" statt, inmitten eines dicht funkelnden grafischen Feuerwerks. Eine
Schau prachtvoller Kontraste....

Herr Prof. Adolf Böhlich aus Dresden möge mir verzeihen, wenn ich seine
Ausstellung hier so keck-spektakulär ankündige. Aber gerade diese Bilder sind
etwas sehr Besonderes. Korrekter müsste ich sagen:

   sehr verehrtes Ausstellungsstammpublikum
   und all die, die es ab heute vielleicht werden wollen...

hier findet das Ereignis gemalter Stille und ihr samtfarbiges Erblühen auf
Papieren statt. Dekorativ aquarellistisch fliessende Farbakkorde formen
Landschaftsräume zum Bild. Eine Malerei duftiger Schwingungen und nobler
Geschmeidigkeit.

Demgegenüber funkeln Grafiken mit feinnervigem Strich. Einfache, aber
ausdrucksstarke Motive. Bei so viel koloristischer Virtuosität einerseits und
ebenso feinsinniger grafischer Verführungskraft, ist für diese Präsentation vor
allem das Wort „Eleganz" am Platze.

Dieser Meisteraquarellist stilistisch-edler Blätter in noblen Farben, ist in Zittau
und in diesen Räumen, kein Unbekannter. Anlässlich seines 80. Geburtstages
beschenkte er die Zittauer Städtischen Museen mit einem Hauptteil seines
Gesamtwerkes der letzten Jahrzehnte, wie auch einige öffentliche
Einrichtungen mit Bilderschmuck. Beschenkte ebenso die Liberecer Oblastni
Galerie.

Denn: Böhlich im Schluckenauer Zipfel geboren, wuchs hier in der Region auf
und hat somit eine starke emotionale Bindung zur Oberlausitz bis hinüber ins
Böhmische. Als Hochschullehrer und Maler war er 42 Jahre lang ein engagierter
Kunsterzieher und Lehrerbildner. Als Rentner ermalte er sich eine Erfolgsspur,
die über Russland, Estland, bis nach Japan führt....

Ja, duftige Samtfarben machen in jedem Blatt die optische Musik. Diese
Raffinesse der fliessenden Konturen ist Stil. Stil ist auch Ordnungssinn. Das
könnte man fast ein Markenzeichen nennen mit untrüglichem
Wiedererkennungswert. Diese schwimmenden Konturen sind auch Ausdruck
seines künstlerischen Temperaments. Perfektion frisst die Zeit und so geht Prof
Böhlich aquarellistisch eben etwas flotter, flüssiger vor, könnte man meinen.
Vor allem ist es ist die Freude am augensinnlichen Erleben, die solche Farben so
aufblühen lässt. Das Ergebnis erscheint vor uns verblüffend weich.

Aber es gibt auch gefestigte Konturen zu entdecken, wie Gebirgskonturen oder
Uferlinien etwa, die einer Darstellung Halt verleihen. ( Blick zum Lilienstein..)
Und wer genauer hinschaut wird bald ein sehr ausgewogenes Gleichgewicht
zwischen einfacher Motivation und jenem verfliessenden Licht- und Farbenspiel
erspüren. 

Solche Bilder sind nicht wirkliche Wirklichkeit. Ein Naturbild wird zum eigenen
Bild. Hier wird Malerei als offenes Medium aufgefasst. Und in etlichen Blättern
hat man den Eindruck, dem Künstler gelingt formal eine raffinierte Mitte von
Impression und Abstraktion, wie etwa mit diesem Frühlingsmorgen im Grossen
Garten. Das ist das Besondere. Und im Grafischen erscheint qualitativ
ebenbürtig eine Szenerie wie eingebettet in auffliegendes Gestrichel....

Gerade bei so einer Präsentation der Kontraste tun sich geschmackliche
Unterschiede auf, eben die des Gefallens. Aber das ist vorrangig ein
individueller Betrachtungs- und Lernprozess, den gerade so eine Präsentation
in ganz eigener Weise stimuliert. Sehen und Verstehen lernen....

Da sind prachtvolle Blumenbilder, teilweise auf Fliess gearbeitet. Manches
schimmert wie eine Fata Morgana, oder wie ein Traum, es ist aber da und nicht
flüchtig oder gar virtuell, aber doch nicht die Wirklichkeit, es ist Kunst. Die
sinnliche Lust am Gesehenen ist der Ursprung aller bildenden Kunst.

Solche Bilder erscheinen vor unseren Augen einmal wie hingegossenes
Leuchten, andermal samtdunkel. Selbst in Natur- oder dramatischen
Wetterstimmungen breitet sich auf dem Blatt eine gelöste Atmosphäre aus. Er
ist ein Künstler, der gleichsam um das jeweilige Motiv farbschattiert fabuliert.

Und besonders diese kleinen Bildwerke erscheinen wie lyrische
Farbschöpfungen, wie Apercus, in Farbe gegossene Anmerkungen zu einer
Landschaft oder Szenerie.

Und noch so eine farbenfrohe Betrachtung einer modifizierten Realität: Elbe bei
Ostrau. Der Farbenzauber (beachten Sie dieses typisch unnachahmliche
Violett!!!) dieser Farbton verleiht dem Blatt etwas Allgemeingültiges aber auch
Geheimnisvolles und man könnte meinen, Böhlich ist in so manchem Bild den
Romantikern nahe. Na klar! Er lebt ja in Dresden einer Hochburg der
berühmtesten Romantiker!

Ich glaube, dieses Geheimnisvolle, diese Musikalität der Farben, ihr teilweises
flirren, ist ein schöpferischer Aspekt, den Böhlich in seinen Arbeiten gern
locker-launisch herausarbeitet.

Da ist eine frühes Porträt in Öl. Ein Mann, der beim Dresdner Bombenangriff
verschüttet war. Wir entdecken einheimische Motive, Ausblick zum Jeschken,
Landschaften um Jonsdorf, erkennen die Lausche. Diese Arbeiten sind eine
Verbeugung, eine Hommage Böhlichs an die landschaftlichen Schönheiten
unserer Oberlausitz.

Denn: vielfach taumelt heute das Kunstmachen zwischen Verrohung, riesigen
Bildgebilden und rosigem Geschmalze. Und in einer Zeit der Kriege, Attentate
und Krisen empfindet man Adolf Böhlichs Arbeiten in ihrer leuchtfarbenen
Geschlossenheit wie ein tiefes, beruhigendes Atemholen. Selbst seine kleinen
Formate öffnen ihre Bühne zum launischen Kammerspiel der Farben und
grafisch-erzählerischen Etüden....

Bemerkenswert ist auch, wie durch das duftige „Verschleifen" der Konturen so
manches Aquarell wie von einem lebendigen Vibrieren erfasst zu sein scheint.
Es ist das Vibrieren der Stille, die grafisch als flirrendes Feingestrichel,
gleichsam bildkünstlerisch „umgemünzt", auf so manchem Blatt erscheint...

Das Vibrieren der Farben, das Flirren der Stille, all diese vielfältigen
Betrachtungsmöglichkeiten machen das Gezeigte zu einer sehr besonderen,
einer sehr beruhigenden Kunst. Gerade in dieser Zeit, wo man den Anschein
hat, dass die Menschheit ihrem rasanten „Fortschreiten" nicht mehr sicher
hinterher kommt....

Kunst verwandelt eine Landschaft zum Bild, dass die Handschrift des Künstlers
formt. Vergängliches, der Augenblick einer besonderen Stimmung, ein
Sonnenuntergang, ein Erblühen, Wetterwandlungen in der Landschaft, das wird
für alle Zeit in einer besonderen, individuellen Weise festgeschrieben.

Ein Sammler, der ein Bild erwirbt, in Ausstellungen, die Bildwerke präsentieren,
da kann man als Betrachter im lebendigen Dialog mit den Aquarellen und
Gafiken, diesen ganz besonderen „Szenenwechsel", eben jene Verwandlung
von Gesehenem in Kunst, nacherleben....

Bitteschön, tun Sie das nun mit viel Betrachtungs- und Lernvergnügen....


Frank Richter, 23.7.2016

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© Hinweis: Das Urheberrecht der hier gezeigten Bilder liegt in vollem Umfang bei den entsprechenden Künstlern. Die Weitergabe, Weiterverarbeitung oder Vervielfältigung ist nicht gestattet. 
Stand: 15. Januar 2017                                                    designed & (C) by Anno Schoroth, Königswinter 2004-2017                                                                 Bilder kaufen