Arbeiten aus fünf Jahrzehnten - Die Duftigkeit eines Aquarells habe ihn schon immer fasziniert, sagt Adolf Böhlich. Einige seiner Blätter datieren aus der Studienzeit. Böhlichs Aquarell-Skizzenblöcke sind wie Tagebücher zu lesen...

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e i n  h a l b e s  J a h r h u n d e r t
  

Für Böhlich beginnt das Malen, noch bevor der erste Pinselstrich zu sehen ist:

wenn er das weiche Marderhaar des Pinsels spürt, behutsam den Karton zurechtlegt, die Fingerkuppen dessen Struktur abtasten und die Augen die Farbnäpfe abschätzen. Die Ehrfurcht vor kostbaren Papieren ist so tief in ihm verwurzelt, dass er noch heute wertvollen Aquarellkarton oft lange liegen lässt, ehe er als Malgrund genutzt wird. Kürzlich entdeckte er eine Sorte, die seinem Materialgefühl ganz besonders zu entsprechen scheint: Englisches Bütten von Windsor & Newton. Seine Haltung zu Materialien und seine sinnliche Freude an ihrer Beschaffenheit lässt an Auffassungen von Werkbund-Künstlern erinnern.
  

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Materialverschwendung entspräche ihm nicht. Ganz selten hat er ein weniger gelungenes Blatt weggeworfen. Er hat es lieber überarbeitet, bis sich das Papier nicht mehr strapazieren ließ.

Das Gegenständliche in seiner Beziehung zum Menschen berührt ihn immer wieder. Dass sich über den ablesbaren Gegenstand eine Botschaft direkter aussprechen lasse, diese Auffassung hat sich in den letzten Jahren erhärtet, je mehr er sich der Bilderproduktion verschrieben hat.

Diese Position will er nicht im Widerspruch dazu verstanden wissen, dass er die großen Leistungen der ungegenständlichen Kunst des 20. Jahrhunderts außerordentlich schätzt. 

Sommerabend - Landschaft bei Gottleuba
Aquarell auf Karton, 1996 / 37,5 x 45,5

  
In seinen Aquarellen findet sich wie in seinen Zeichnungen, aber insbesondere in den Radierungen und Holzschnitten eine struktive Sicht der Dinge und Erscheinungen. Woraus schöpft er als Maler seine bildkünstlerischen Formen? Diese Frage stand oft im Mittelpunkt seiner Lehrveranstaltungen; und gern zitierte Böhlich zu diesem komplexen Zusammenhang Rilke: »Es genügt nicht, Erinnerungen zu haben. Man muss die große Geduld haben, zu warten, dass sie wiederkommen. Denn die Erinnerungen selbst sind es noch nicht... Erst wenn sie Blut werden in uns, Blick und Gebärde, erst dann kann es geschehen, dass in einer sehr seltenen Stunde das Wort eines Verses aufsteht aus ihrer Mitte und aus ihnen ausgeht.« Auf Rilkes bildhaften Vergleich legt er besonderen Wert. In sein Tagebuch notierte er sich vor vielen Jahren Rilkes Worte: »Verse sind nicht, wie die Leute meinen, Gefühle
die hat man früh genug es sind Erfahrungen.« Zum erfolgreichen Bildermachen gehören auch Materialerfahrungen beispielsweise zu ergründen, wie sich Pigmente und Bindemittel vertragen sowie ein gutes Gefühl dafür, wann sich eine Formulierung vom Gefühlsgeladenen ins Sentimentale entwertet.  

  
Vermutlich ist der Maler Adolf Böhlich bei seiner bildnerischen Entdeckungsreise immer wieder an neuen Ausgangspunkten, obwohl er seit Jahrzehnten unterwegs ist. Nicht selten hört er beim Malen Musik: bevorzugt Kompositionen des Barock, der Wiener Klassik und vor allem der Romantik. Allerdings müsse die Musik die Grundstimmung des entstehenden Bildes mit tragen, räumt er ein, sonst hätte er lieber Stille im Arbeitsprozess. Dvorák und Smetana gehören zu seinen Lieblingskomponisten, schon seit Kindertagen. 

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Reiseskizzen / Meckenburg
Aquarell auf Karton, 2000 / 27 x 35,5
  
Musik, die ihn immer wieder tief berühren kann, sind beispielsweise der Zyklus »Mein Vaterland« und die Sinfonie »Aus der neuen Welt«
—-gefühlsbetont und sehnsuchtsvoll wie viele seiner Landschaftsdarstellungen, ob beim »Herbstmorgen in Mecklenburg« der Himmel fast regenbogenfarbig aufsteigt oder 
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ob er sich beim »Abend am Lago di Lugano« violett auf die Landschaft senkt. Weich Verfließendes leuchtet heiter auf, oder es begegnet sich widerspruchsvoll mit harten Konturen. Mitunter versinkt es auch schwer im Unbestimmten.

Beharrlich und kontinuierlich hat Böhlich schon immer gearbeitet
- wesentliche Voraussetzungen dafür, dass sich ein künstlerisches Anliegen entfalten kann. 
Lago di Lugano, von der Kirche in Morcote aus
Aquarell auf Bütten, 1995 / 47,5 x 63,5
  
Tschaikowskis Erkenntnis, dass die Inspiration nicht Faule zu besuchen pflege, betonte er nicht nur in seinen wissenschaftlichen Studien zur Intuition; er arbeitet nach dieser Maxime. Er könnte sich keinen erfüllten Tag mehr vorstellen, an dem er nicht mit Stift oder Pinsel etwas zu Papier gebracht hat.

Es sind diesem Maler noch viele Jahre solchen Schaffensdrangs und voller Entdeckerfreude zu wünschen. Seine Besessenheit, mit der er aquarelliert, lässt auf eine weitere künstlerisch lebendige Entfaltung dessen hoffen, was mit Leidenschaft vor einem halben Jahrhundert begann.  

Dr. Maria-Ilona Schellenberg

 
© Hinweis: Das Urheberrecht der hier gezeigten Bilder liegt in vollem Umfang bei den entsprechenden Künstlern. Die Weitergabe, Weiterverarbeitung oder Vervielfältigung ist nicht gestattet. 
Stand: 14. Januar 2017                                                    designed & (C) by Anno Schoroth, Königswinter 2004-2017                                                                 Bilder kaufen