Arbeiten aus fünf Jahrzehnten - Die Duftigkeit eines Aquarells habe ihn schon immer fasziniert, sagt Adolf Böhlich. Einige seiner Blätter datieren aus der Studienzeit. Böhlichs Aquarell-Skizzenblöcke sind wie Tagebücher zu lesen...

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Eine  Stunde  und  vierzig  Jahre
Das enge, übersichtlich geordnete Arbeitszimmer gibt den Platz kaum her, A. Böhlich beim Malen zu beobachten. Der Arbeitsplatz füllt die ganze Fensterseite des schmalen Raumes.
Wie viele -zahlenmäßig längst nicht mehr nachvollziehbare- Klausuren, Dissertationen, Beleg- und Diplomarbeiten hat der bescheidene Arbeitstisch wohl ertragen, ehe er zum Tat-Ort einer der vermutlich schwierigsten malerischen Techniken wurde?
A. Böhlich aquarelliert seit mehr als vierzig Jahren. Angeregt hat ihn dazu im Studium besonders der Dresdner Maler Gerhard Stengel. Das Aquarell ist die Technik, die A. Böhlich am frühesten fesselte. Später richtete sich seine gestalterische Entdeckerfreude auf kleinformatige Kaltnadelradierungen. Die Druckplatten dazu ließen sich ohne großen Aufwand herstellen. Selbst unterwegs wurde gezeichnet und radiert.
Aber die rechte Hand verweigert sich seit einer gravierenden Verletzung im Zusammenhang mit einem schwerwiegenden Unfall 1990 dieser Technik, hält den Druck nicht mehr aus, mit dem die Zeichnung in die Platte geritzt wird.
Das Malen -im Stehen und aus dem ganzen Körper heraus- erhält nun einen neuen Stellenwert - ebenso das größere Bildformat.
Ohnehin hat der Umgang mit Naturmaterialien -als materielle und geistige Aneignung der Welt- A. Böhlich als Forscher zur Kunsterziehung und als Kunsttheoretiker schon immer interessiert.
Der ästhetischen Aneignung und dem Ursprung von Kunst widmete er eine umfangreiche Vorlesungsreihe.
Malen ist für ihn ein Naturprozess, Aquarellieren als Pflege einer faszinierenden Kulturleistung von Turner bis Nolde betrachtet er als eine spannende Herausforderung. Er selbst bezeichnet diese Technik als ein feines, sensibles Instrument.
Was lässt sich damit zum Klingen bringen? Wie reagieren Materialien miteinander: Verschiedenartige Farben, Pigmente, unterschiedlich starke Flach- und Rundpinsel von Wasser durchtränktes Papier?
Wie verändert sich die Sprache der Farbflecken, wie agieren sie, wenn das feuchte Blatt zusätzlich während des Malvorganges bewegt wird?
A. Böhlich probiert dabei unterschiedlichste Papiere aus: Weißenborner, Hahnemühle, Schoellershammer, Schut, selbst Packpapier. Die Ehrfurcht vor kostbaren Papieren ist noch immer tief in ihm verwurzelt. Jahrelang hat er solche Bögen sorgsam aufgehoben, ehe sie Gestaltung erfuhren. jedes Papier hat seinen eigenen Charakter. Weniger geleimtes Papier bleibt länger feucht. Es kommt auch vor, dass es beim Benetzen überreizt wird. Beim Malen darf es sich nicht wellen, sonst entstehen ungewollte Farbschlieren, die sich verselbstständigen und gesucht Spontan-Verfließendes in seiner ästhetischen Wirkung beeinträchtigen oder gar aufheben.
Auch soll es nicht zu rauh sein. Oft bevorzugt Adolf Böhlich beim Aquarellbogen deshalb die glattere Rück- gegenüber der Kornseite.
Hat dieser Bogen dann seine Bestimmung erfahren, wird mit einem sehr weichen Schwamm behutsam das Papier angefeuchtet - immer zuerst die Rückseite.
Völlig plan schmiegt es sich nun an die Arbeitsplatte. Und schon gleitet der erste dicke Pinsel waagerecht und in leichten Schwüngen darüber: Hin, her, rüber, nüber, hin, her. ..Zunächst werden die helleren Töne gesetzt, später die dunkleren.
Schicht für Schicht überlagern sich Farbklänge. Zwischendurch wird die gesamte Platte, auf der das Blatt haftet, angehoben, diagonal gekippt, gedreht ... Dann kommen bis zu sechs verschiedene Pinselstärken beim Malen zum Einsatz: Rüber, nüber, hin, her steuert die Hand. Farbe läuft aus, wird mit dem nassen Pinsel wieder aufgenommen ... Lappt eine Form ungebührlich aus, wird zügig reingemalt. Wieder wird das Gesamte angehoben, gekippt, kontrolliert, gedreht. Eine Landschaft kristallisiert sich heraus: Erinnerung an Mecklenburg.
Wie lange dauert ein Aquarell? - Eine Stunde und vierzig Jahre, antwortet A. Böhlich ein wenig verschmitzt und bedeutungsvoll zugleich.
Robert Schumanns Sinfonie Nr. 1. ist verklungen, >Peer Gynt< von Edward Grieg füllt den kleinen Raum. A. Böhlich ist unruhig - Wird das Blatt nach dem Trocknen seinen Intentionen entsprechen?
  

Ilona Schellenberg 

 

 

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Stand: 15. Januar 2017                                                    designed & (C) by Anno Schoroth, Königswinter 2004-2017                                                                 Bilder kaufen